Eine Idee (auch für Holzminden?), um Sportvereinen und Gruppen geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

30   Sport&Gesellschaft                                                    LSB Magazin 04.2021

 

Leerstand zu Sportflächen?

Deutschlands Innenstädte stecken im wohl größten Umbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Besonders Büros, Handelsflächen und Teile der Infrastruktur haben ein hohes Risiko, obsolet zu werden. Welche Folgen dieser Wandel hat und wie die Transformation nachhaltig gestaltet werden kann, untersucht das Forschungsobjekt „Die Obsolete Stadt“ in den kommenden Jahren unter anderem auch in Niedersachsen.

 

Städte sind im Wandel. Auch wenn die Gebäude und Infrastrukturen statisch wirken, kommt es  immer wieder zu Transformationen. Durch Megatrends und disruptive Ereignisse wird der Veränderungsdruck so groß, dass es immer mal wieder sogar zu radikalen Umbrüchen kommen kann.

Momentan scheinen sich die Innenstädte in Deutschland mitten in so einem Umbruch zu befinden. Für viele ist es sogar der größte Strukturwandel seit dem Zweiten Weltkrieg: angetrieben durch Megatrends wie Digitalisierung, Mobilitätswende, Demografischer Wandel oder Klimawandel, aber auch durch die disruptive Kraft der Corona-Pandemie. Schon jetzt ist in Niedersachsens Innenstädten zu spüren, was das alles mit sich bringen kann. Wie stark dieser Wandel ist, untersuchen neun WissenschaftlerInnen aus Deutschland und Österreich bis 2022: Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Projekt „Die Obsolete Stadt“ hat sich für die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover als Forschungsort entschieden. In der Kommune gibt es viele Flächen, die ein Risiko haben, bald nicht mehr in ihrer ursprünglich geplanten Nutzung zu funktionieren— eben obsolet zu werden.

Die Folgen sind mitunter massiv: Leerstand von Einkaufsflächen und Büros, kirchlichen Gebäuden, sowie Bereiche, die früher überwiegend von Autos dominiert wurden. Die City, viele Jahrzehnte überwiegend dominiert durch Shopping und Verwaltung, braucht eine größere Mischung der Nutzung, die nachhaltiger ist. Stichwort: Resilienz, also Widerstandsfähigkeit gegenüber Faktoren wie dem Klimawandel, aber auch dem aktuellen Strukturwandel.

Besonders der Faktor Mensch wird dabei immer wichtiger. Schon jetzt sind sich viele Stakeholder einig, dass mehr Wohnraum in der City eine positive Wirkung haben würde. Aufenthalts- und Lebensqualität erhalten als Standortfaktoren eine noch  höhere Bedeutung. Damit sich zukünftige BewohnerInnen auch wohl fühlen, brauchen sie neben Nahversorgung mit Lebensmitteln, Medizin oder Kultur auch geeignete Flächen für Sport, Bewegung, sicheren Aufenthalt und Begegnung. Warum also nicht diese beiden Entwicklungen miteinander kombinieren? Die Funktionsbauten der City, die in den kommenden Jahren obsolet werden, haben größtenteils von ihrer Baustruktur her ein riesiges Potenzial für eine Transformation in Sportflächen. Schon jetzt gibt es im ganzen Bundesland gelungene Beispiele von Konversionen ehemaliger Kasernen- oder Industrieareale in Orte zum Klettern, Skateboardfahren oder Trampolinspringen. Auch suchen  immer wieder Vereine und Individuen Orte, wo sie Sportarten wie Tennis, Squash oder selbst Fußball zu fairen Bedingungen während der kalten und nassen Monate spielen können.

Damit der Wandel von Shopping- zu Sportflächen gelingt, braucht es einen effizienten und zuweilen kreativen Umgang mit den zuständigen Gesetzen sowie langfristige Planungssicherheit — gerade für Sportvereine und Initiativen, die das Ganze im Wesentlichen tragen werden.

Die Kommunen könnten die Entwicklung beeinflussen, indem sie beispielsweise bei  der Vergabe von (Um-)Baugenehmigungen von den  neuen Nutzern eine gemeinwohlorientierte Entwicklung verlangen. Sport gehört eindeutig dazu. Auch ist es denkbar, dass die Städte selbst wieder aktiver werden, eigene Entwicklungsgesellschaften gründen und sogenannte Sonderentwicklungszonen ausweisen: Zeitlich und geografisch begrenzte Gebiete, in denen die Entwicklung von Flächen und Strukturen im Sinne der Bevölkerung, der Umwelt und einer langfristigen und nachhaltigen Entwicklung der Kommune dienen.

Wichtig ist dabei vor allem zu verstehen: Die Obsoleszenz ist eine Herausforderung, ein aktiver Umgang macht sie jedoch zur Chance.

 

Constantin Alexander

(Constantin Alexander ist Ökonom und Politikwissenschaftler und koordiniert im Projekt „Die Obsolete Stadt“ den Kontakt mit den Stakeholdern in Hannover.)

   Mehr Infos: www.obsolete-stadt.de

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